Berlin, Potsdamer Platz, Donnerstagnachmittag. 10 Kinder stürmen aufgeregt der riesigen Giraffe aus Lego und damit dem Eingang des Legolands Berlin entgegen. Die Gruppe, bestehend aus sechs Eltern und elf Kindern, macht heute, wie jede Woche, im Rahmen des Beratungs-und Bewegungsangebot der Kompetenz Jugendhilfe gGmbH einen Ausflug. Dabei werden sie von den drei sozialpädagogischen Fachkräften Frau Saif, Herrn Dereli und Herrn Sediqi begleitet.
Berlin kennenlernen
Das Angebot findet seit Juni 2026 jede Woche statt, in den Ferien zwei bis drei Mal. Die Ausflüge in den Zoo, ins Naturkundemuseum oder im Sommer ins Freibad sind insbesondere bei den Kindern sehr beliebt. Einige Familien sind jede Woche dabei und so entsteht nach und nach eine vertrauensvolle Beziehung zu den sozialpädagogischen Fachkräften. Diese bringen Verständnis für unterschiedliche Kulturen und oft eigene Migrationserfahrungen mit. Sie sind mehrsprachig und können so auch in der Herkunftssprache der Familien unterstützen. Fragen zu Themen wie Erziehung, Bildung, Gesundheit, Freizeit, Arbeit und Aufenthalt können so niedrigschwellig geklärt und Belastungen frühzeitig erkannt werden.
Kultursensible Beratung in der Herkunftssprache
Die Familien leben in einer Unterkunft für Geflüchtete in Berlin. Ziel des Projektes ist es, gemeinsame Aktivitäten außerhalb der Unterkunft zu ermöglichen, die soziale Teilhabe zu stärken und Räume für Begegnung zu schaffen. Projektkoordinator Eric Pooch betont:
„Die Familien verlassen die Unterkunft oft nur für Deutschkurs oder Schule und haben kaum Gelegenheit, die Stadt und den Kiez kennenzulernen. Wir wollen gemeinsam mit ihnen Berlin entdecken! Teilhabe fängt dort an, wo Menschen Zugang zu den sozialen Räumen ihrer Stadt bekommen.“
Darüber hinaus sollen die Eltern-Kind-Beziehungen gestärkt werden und die Familien Zugang zu niedrigschwelliger Beratung bekommen.
Von Aufenthaltsfragen bis hin zu Sportangeboten
Herr Sediqi arbeitet seit drei Jahren als sozialpädagogische Fachkraft bei der Kompetenz Jugendhilfe und spricht Dari, Farsi, Pashto, Englisch, Urdu, Hindi und Deutsch. Er berichtet, dass die Familien auch wichtige Behördenbriefe zum Übersetzen zu den Ausflügen mitbringen und er die Familien unterstützt ihre Rechte wahrzunehmen:
„Eine Familie hat zum Beispiel für einen Deutschkurs bezahlt, obwohl sie Anspruch auf einen kostenlosen Integrationskurs hatten – da helfen wir dann, den richtigen Kurs zu bekommen“.
Herr Dereli, der ebenso seit drei Jahren als sozialpädagogische Fachkraft bei der Kompetenz Jugendhilfe arbeitet ergänzt: „Manchmal klären wir die Familien auch über Wohnberechtigungsscheine auf oder suchen kostenlose Sportangebote und Vereine für die Kinder“.
Das Projekt wird durch das Jugendamt Tempelhof-Schöneberg gefördert und läuft aktuell bis Ende 2026. Die sozialpädagogischen Fachkräfte sehen die Weiterführung des Projektes als notwendig an. Insbesondere weil es in den Unterkünften nicht immer herkunftssprachliche Beratung gibt und die Freizeitangebote den Zugang zur Beratung sehr niedrigschwellig machen.
Und die Kinder profitieren ohnehin von dem tollen Angebot. Heute vom Karoussel, den Hangelparcours und den vielen kleinen Steinchen zum Wühlen und Bauen im Legoland – und die Vorfreude auf den nächsten Ausflug zum Rummel ist bereits groß!
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